Zoo Königsberg - Königsberger Tiergarten-Verein, historische Genussrechtsurkunde über 100 RM von 1932. Nur 11 Exemplare wurden in der Reichsbank-Auktion versteigert, sonst keine dieser Wertpapiere im Markt bekannt.

4,5 % Genussrechtsurkunde über 100 RM
Königsberg Pr., im Dezember 1932

Schätzpreis (laut SUPPES-Katalog): 2.500,- Euro

Auflage: unbekannt (R 8).

Hektographierte Ausführung, mit Originalunterschriften.

Schon in den 80. Jahren des 19. Jahrhunderts gab es Bestrebungen einen zoologischen Garten in Königsberg zu eröffnen, diese Idee konnte jedoch wegen fehlender Mittel nicht verwirklicht werden. Im Jahre 1895 fand auf dem Hufenpark nahe der Stadt die Nordostdeutsche Gewerbeausstellung statt. Auf Initiative des Leiters der Gewerbeausstellung Hermann Claaß und des Leiters des zoologischen Instituts der Albertina Professor Maximilian Braun wurde am 28. August ein Verein zur Schaffung eines Tiergartens gegründet.

Die Öffentlichkeit hat die Idee unterstützt, mit den angesammelten Spenden konnte der Verein einige Gebäude der Gewerbeausstellung nach deren Ende kaufen. Die Gebäude wurden für den neuen Zweck umgebaut, neue Anlagen wurden erstellt. Die meisten Tiere wurden von der Tierhandlung Hagenbeck in Hamburg erworben.

Am 21. Mai 1896 wurde der Königsberger Tiergarten feierlich eröffnet. 893 Tiere in 262 Arten konnten besichtigt werden. Es gab schon einige große Tiere: Löwen, Tiger, einen Leoparden, einen Puma, einen Bär, einen Elefant, ein Dromedar und ein Känguru. Eine sehr gute Verbindung von Natur und Tier machte den Königsberger Tiergarten zu einem der schönsten in ganz Deutschland.

Um für Haltung der Tiere benötigte Mittel zu erwerben (der Tiergarten wurde vom Staat nicht finanziert), wurden den Besucher zahlreiche Vergnügungsveranstaltungen angeboten: exotische Ausstellungen, regelmäßige Musikkonzerte, täglich spielte ein Blasorchester. Darüber hinaus gab es ein Restaurant, ein Weinlokal, eine Konditorei, zehn Tennisspielplätze. 1898 bot der Zoo eine ungewöhnliche Attraktion an: für 3 Goldmark konnte man mit einem Heißluftballon auf 300 Meter Höhe aufsteigen. Zum Vergleich: 1910 kostete eine Tageskarte in den Zoo 50 Pfennig für Erwachsene, 20 Pfennig für Kinder. Mit dem erworbenen Geld konnten neue Tiere angekauft werden. 1910 besaß der Zoo 2.161 Tiere, diese Rekordzahl konnte fast 100 Jahre nicht überboten werden.

Mit dem Ersten Weltkrieg begannen schwierige Zeiten für den Zoo: alle verfügbaren Räume wurden vom Militär benutzt. Ein großer Teil des Personals musste Kriegsdienst leisten, der Tiergarten wurde für den öffentlichen Besuch geschlossen. Wegen der Futterknappheit musste der Tierbestand drastisch vermindert werden: einheimische Vögel und Kleintiere wurden in Freiheit gesetzt, einige Großtiere abgeschossen.

Im Jahre 1918 wurde der Tiergarten wieder geöffnet. In den zwanziger Jahren erholte sich der Tierbestand wegen der Wirtschaftsflaute nur langsam, 1920 gab es 380 Tiere, 1924 – 700 Tiere in 200 Arten. 1920 wurde im Tiergarten die erste Deutsche Ostmesse abgehalten und von Reichspräsident Friedrich Ebert eingeweiht.

In den dreißiger Jahren musste der Zoo wegen der Raumnot umgebaut werden. Aus dieser Zeit blieb bis heute das Eingangsgebäude im Bauhaus-Stil erhalten.

Ab 1938 ist der Zoo Eigentum der Stadt, der Tiergarten-Verein hat sich aufgelöst. Völkerpark Denkstein, das erste deutsche Freilichtmuseum, der 1912 entstand, musste in den dreißiger Jahren vom Gebiet des Tiergartens nach Hohenstein (heute Olsztynek in Polen) verlegt werden. Der Ausbau des Tiergartens konnte aber wegen des Zweiten Weltkrieges nicht fertig gestellt werden. Der letzte Leiter des Königsberger Zoos Dr. Hans-Georg Thienemann, Sohn des bedeutenden Ornithologen Johannes Thienemann, konnte mit einer großen Zahl von Mitarbeitern seine Arbeit im Zoo Duisburg nach dem Krieg fortsetzen.

Bei der Einnahme der Stadt durch sowjetische Streitkräfte im Frühling 1945 wurden viele Gebäude und Anlagen beschädigt und zerstört. Nur vier Tiere haben den Zweiten Weltkrieg überlebt: Ein Damhirsch, ein Dachs, ein Esel und ein Nilpferd. Das Nilpferd, das man vor dem Krieg „Rosa“ und nach dem Krieg „Hans“ nannte, hatte bei Kämpfen 7 Granatsplitter abbekommen und war in einen Graben am Parkrand abgestürzt. Das Nilpferd war in einem kläglichen Zustand, da es fast zwei Wochen nichts zu trinken und fressen bekommen hatte. Nach zwei Monaten medizinischer Behandlung war „Hans“ wieder gesund und war das erste Großtier des neuen Zoos. Ein Flusspferd ist Symbol des Kaliningrader Tiergartens.

1946 wurde der Königsberger Tiergarten in Kaliningrad-Zoo umbenannt und am 27. Mai 1947 der Öffentlichkeit erstmals nach dem Krieg zugänglich gemacht. 50 Tierarten konnten dabei besichtigt werden, der Tierbestand konnte mit Hilfe anderer Zoos der Sowjetunion schnell erweitert werden. Auch Seeleute der sowjetischen Ostseeflotte brachten viele exotische Tiere mit und schenkten sie dem Zoo. 1973 wurde die Institution der Patenschaft eingeführt: mit Hilfe verschiedener Organisationen und Betriebe der Stadt wurden in den nächsten Jahren mehr als 130 Anlagen und Gebäude neu erstellt und renoviert, Staudämme und Brücken über den Parkbach gebaut, Wege, Strom-, Wasser- und Kanalisationsleitungen angelegt.

Nur 11 dieser Genussrechtsurkunden wurden in der Reichsbank-Auktion versteigert, sonst sind keine Exemplare im Markt bekannt.

Gehe zur Übersicht: Zoologische Gärten Deutschland