Grade-Automobil-Werke, Bork (Brandenburg), historische Aktie von 1923. Auf der Berliner Automobilausstellung 1921 stellte Hans Grade einen offenen Zweisitzer mit bootsförmiger Karrosserie. 1924 war es der in Deutschland meistverkaufte Kleinwagen.

Aktie über 1.000 Mark
Bork (Brandenburg), im März 1923

Schätzpreis (laut SUPPES-Katalog): 400,- Euro

Auflage: 26.000 Aktien (R 10).

Der Flugpionier Hans Grade (1879-1946), der seit 1904 in den Grade-Motorenwerken in Magdeburg Motorräder baute, hob an 28.10.1908 mit einem selbst entworfenen Dreidecker erstmalig vom Boden ab. 1909 gewann er auf der ersten Internationalen Flugwoche in Berlin-Johannisthal den mit 40.000 Mark dotierten “Heinrich-Lanz-Preis der Lüfte” für den ersten deutschen Motorflieger.

1910 gründete Grade im brandenburgischen Bork (heute Borkheide) eine Flugzeugfabrik, noch im gleichen Jahr gelang ihm mit einem Eindecker über 4 1/2 Stunden der erste Langstreckenflug. Am 8.2.1912 unternahm eine Grade-Maschine den ersten Postflug in Deutschland, unzählige Höhen- und Distanzrekorde und technische Hochleistungen folgten.

Die Folgen des 1. Weltkrieges mit dem Versailler Vertrag zerstörten die deutsche Flugzeugindustrie, deshalb gründete Hans Grade 1921 die Grade-Automobil-Werke A.-G. mit immerhin 800 Beschäftigten. 1922 bedeutende Vergrößerung des Unternehmens durch Erwerb der “Carl Rüttgers Motorpflug-Fabrik” in Berlin-Hohenschönhausen.

Wegen Grades’ Wurzeln in der Luftfahrt hatten seine Autokarosserien Elemente aus dem Flugzeugbau, so z. B. der auf der Aktie mehrfach abgebildete “Cyclecar”.

Auf der Berliner Automobilausstellung 1921 stellte Hans Grade einen offenen Zweisitzer mit bootsförmiger Karrosserie und Einzylinder-Zweitakt-Motor vor, im Jahr darauf ging dieses Fahrzeug, nun mit eigenentwickeltem Zweizylindermotor, in Serie und war 1924 der in Deutschland meistverkaufte Kleinwagen.

Aber die bald darauf von Opel und Hanomag herausgebrachten Konkurrenzmodelle verdrängten den Grade-Kleinwagen vom Markt. Die Neuentwicklung eines Vier-Zylinder-Modells 1925 konnte die Firma nach dem Zwangsvergleich 1924 nicht retten: 1927 kam mit dem Konkurs das endgültige Ende.

1937 wurde in Borkheide der Film “Ziel in den Wolken” gedreht, bei dem sich Hans Grade selbst spielte und nochmals mit seiner allerersten Maschine die Lanz-Preis-Bedingungen flog.

1990 wurde auf dem Flugplatz Borkheide das Hans-Grade-Museum eröffnet, und zwar standesgemäß in einer 1989 auf der nur 800 m langen Graspiste gelandeten russischen IL18. Aktuell erhielt 2010 der frühere NVA- und heutige Bundeswehr-Fliegerhorst Schönewalde-Holzdorf den Ehrennamen “Hans Grade”.

Bekannte Historische Wertpapiere der Grade-Automobil-Werke A.-G.:

  • Gründeraktie über 1.000 Mark, 17. Februar 1921, Auflage 12.000 (R 10), Schätzpreis (laut SUPPES-Katalog): 600,- Euro
  • Aktie über 1.000 Mark, 27. Januar 1922, Auflage 14.000 (R 10), Schätzpreis (laut SUPPES-Katalog): 500,- Euro
  • Aktie über 1.000 Mark, im März 1923, Auflage 26.000 (R 10), Schätzpreis (laut SUPPES-Katalog): 400,- Euro
  • Aktie über 1.000 Mark, im März 1923, Auflage 26.000 (R 6), lochentwertete Aktie aus der „Reichsbank-Auktion“ (78 Stücke), Schätzpreis (laut SUPPES-Katalog): 175,- Euro

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